Eine sehr schöne, anspruchsvolle Hochtour in die Stubaier Alpen haben unsere beiden erfahrenen Hochtourenleiter Dr. Ralf Ebner und Martin Weinmüller geführt.
Am Samstag, 8. Juli 2023, starteten wir zur Sektions-Hochtour für drei Tage an den Stubaier Alpenhauptkamm. Die Sulzenauhütte (2291 m) war in nur zwei Stunden erreicht, mit einer Pause auf halbem Weg im wunderschönen wasserreichen Hochtal des Sulzenaubachs.
Zum Wilden Freiger brachen wir am Sonntag erst um 7 Uhr von der Hütte auf, da der Schnee an diesem heißen Wochenende in der Höhe ohnehin nicht mehr durchfror. Auf dem aperen unteren Teil des Fernerstuben-Gletschers liefen wir schon am Morgen zwischen und durch viele Rinnsale und Bäche auf dem Eis. Weiter oben kamen wir dann doch zügig vorwärts, weil die sehr durchweite Schneedecke auf dem Gletscher nicht besonders tief war.
(4-Fernerstube.jpg)
Wir waren bei dem schönen Wetter natürlich nicht die einzigen am Berg. An der Lübecker Scharte, beim Übergang vom Eis in den Schnee staute es etwas am ersten Fixseil, der schwersten Stelle der Tour.
(5-Wilder-Freiger-Fixseil.jpg)
Bald aber ging es in netter, wenig schwieriger, freier Kletterei, entschärft durch viele Drahtseile und auch ein paar Trittklammern auf dem Lübecker Weg am Westgrat bis auf den Gipfel des Wilden Freigers (3418 m).
(6-Wilder-Freiger-Aufstieg.jpg)
(7-Wilder-Freiger-Gipfel.jpg)
Weiter über den Signalgipfel (3392 m), einen weiteren Blockgrat, eine Schneepassage und einen kurzen Gegenansteig gelangten wir zum aussichtsreichen Becherhaus (3190 m) mit der Kapelle Maria im Schnee. Der Weg zur Müllerhütte, die näher im Wilden Pfaff gelegen ist, war mit gut eineinhalb Stunden nicht mehr weit, aber durch eine versichterte Steilstufe, die kleineren Schneesümpfe auf dem Überltalferner, die Höhe und die pralle Nachmittagssonne doch nochmal anstrengend. Gut, dass wir uns auf dem Becherhaus gestärkt hatten. Wobei auch die Bewirtung und das Abendessen auf der Müllerhütte (3141 m) sehr fein waren.
(8-Becherhaus.jpg)
Durch den hohen Ausgangspunkt mussten wir auch am dritten Tourentag erst um 6 Uhr aufstehen. Von der Hütte weg folgten wir dem Blockgrat, zuerst immer leicht auf und ab, dann steiler und manchmal auch recht luftig, aber immer mit ausreichend Sicherungen, bis auf den Gipfel des Wilden Pfaff (3456 m).
(9-Wilder-Pfaff-Aufstieg.jpg)
Am Nachmittag hatten wir noch Zeit für einen Gipfel, auch wenn das Wetter sich etwas ungewiss entwickelte. Mit leichtem Rucksack (kein Gletscher) kamen wir bis auf den Großen Trögler (2902 m), mit Blick auf die Gletscher und Gipfel der kommenden zwei Tage. Kurz vor dem Gipfel machten wir Bekanntschaft mit sehr zutraulichen Schwarzhals-Ziegen. Im Abstieg erwischte uns dann doch ein Regenschauer, der aber lange nicht so heftig ausfiel wie befürchtet.
Nun mussten wir entscheiden, ob wir den Ost- und Hauptgipfel des Zuckerhütls wagen wollten. Angeblich mieden ihn einige Bergfüher mittlerweile wegen der zunehmenden Steinschlaggefahr. Wir beschlossen, uns wenigstens den Anfang der Route im Fels nach dem Gletscher anzusehen. Die Wirtin der Müllerhütte hatte uns am Abend vorher auch Mut gemacht.
(11-Zuckerhütl.jpg)
Und tatsächlich war der Fels ähnlich fest wie am Wilden Pfaff, kein "Brösel-Zweier" wie in manchen Beschreibung zu lesen. Nur der lose Schutt auf den Absätzen ist bei mehreren Seilschaften in der langen Rinne im unteren Teil eine Gefahr. Die Leute vor uns waren aber schon weiter oben links unterwegs, hinter uns lange niemand mehr. So verlief auch der Anstieg auf das Zuckerhütl (3505 m) stressfrei und genussvoll, auch weil alle aus der Gruppe den Anforderungen im freien Klettern und an ausgesetzten Stellen gut gewachsen waren, im Auf- wie im Abstieg.
(12-Zuckerhütl-Gipfel)
Nachdem der direkte Abstieg über den Sulzenauferner schon seit Jahren fast nicht mehr machbar ist, stand uns noch der längere Weg um das Zuckerhütl herum auf das Pfaffenjoch, die Querung und der Abstieg zum Fernaujoch und Fernauferner bevor. Landschaftlich nicht mehr so schön, aber dank etlicher Schneefelder recht knieschonend ging es durch das Stubaier Gletscherskigebiet (ohne Skibetrieb) hinab bis zur Dresdner Hütte. Dort feierten wir unsere vier großen Gipfel mit einer letzten Einkehr und kamen dann bequem mit der Seilbahn ins Tal. Nicht nur das schöne Wetter, sondern vor allem die tolle harmonische, gut trainierte und sichere Gruppe hatten dieses verlängerte Hochtourenwochende auch für uns Leiter zu einem sehr schönen Erlebnis gemacht.
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