Prima-Klima-Tour bedeutet Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir starteten zu neunt am Samstag um 7 Uhr am Bahnhof Kaufbeuren mit dem Regionalzug nach Buchloe. Dort stiegen wir in den Schweizer Eurocity. Nach weiteren Umstiegen in Zürich, Bern und Visp, zuletzt in die Matterhorn-Gotthard-Bahn, erreichten wir Zermatt pünktlich um 14:14 Uhr.
Mit Anreise war es ein langer Tag. Umso mehr genossen wir die moderne Hütte und das gute Essen.
Nicht benötigte Kleidung, Taschen etc. verstauten wir in einem Seesack und deponiert diesen in der Gepäckaufbewahrung am Bahnhof Zermatt. Dann ging's mit der Gornergrat-Bahn hinauf zur Station Rotenboden. Nach einer kurzen Abfahrt im Sulzschnee mussten die Ski an den Rucksack für eine Stunde Fußmarsch in der Südseite des Gornergrats.
Kurz vor dem Gornergletscher konnten wir wieder die Ski anschnallen und den flachen Gletscher bis unter die Saaser Lücke queren. Es war immer noch sonnig und warm. Über eine kurze versicherte Passage, anschließend eine wenig ansteigende Skiquerung und schließlich eine kurze Abfahrt erreichten wir gegen 19:30 Uhr die Monte-Rosa-Hütte (2883 m).
Laut Wetterbericht sollte der Sonntag der letzte gute Tag werden. So versuchten wir unser Glück und starteten gegen sieben Uhr Richtung Monte-Rosa-Gletscher. Die Schneemengen in der Höhe waren dieses Jahr weit überdurchschnittlich, die Gletscherspalten perfekt eingeschneit. So mussten wir am Gletscher nicht anseilen, und jeder konnte sein Tempo laufen. Die zwei jungen Männer unserer Gruppe erreichten als erste nach 3,5 Stunden das Skidepot auf 4300 m. Alle anderen aus der Gruppe folgten nach und nach. In der anschließenden steilen Schneeflanke gab es eine gute Spur und kein Blankeis.
Es folgte ein kombiniertes flaches, aber ausgesetzes Gratstück und eine weitere steile Schneeflanke. Über den Gipfelgrat und zwei Kamine erreichten immerhin sechs Leute aus der Gruppe die Dufourspitze (4633 m). Für die große Höhe waren Temperatur und Wind gemäßigt, die Sicht ausgezeichnet und das Panorama gigantisch. Unsere beiden jungen Männer verbrachten fast zwei Stunden am Gipfel.
Montagfrüh war der Himmel verhangen, und schon um die Hütte bließ ein frischer Wind. Wir stiegen zum Grenzgletscher und diesen mäßig ansteigend immer höher hinauf, an eindrucksvollen Gletschbrüchen vorbei und immer mit Blick in die gewaltige Lyskamm-Nordwand bis unter das Lysjoch. Dort wurde der Wind deutlich unangenehmer. Bis unter die Signalkuppe (4554 m) hatten wir noch Sicht. Die beiden Jungen kamen uns bereits entgegen und erzählten von dem sehr stürmischen Wind, der Blankeis-Passage vor dem Gipfel und einem abgestürzten Hubschrauber-Wrack. Vor dem Gipfel drehten auch wir anderen um. Die Abfahrt war kein Genuss - meist entweder Bruchharsch, oder viele tiefe festgefrorene Spuren, Rillen und Schneebollen. Aber immerhin kamen wir noch rechtzeitig zurück zur warmen gemütlichen Hütte, bevor die tiefer ziehenden Wolken die Sicht nahmen.
Für Dienstag war noch heftigerer Sturm in der Höhe gemeldet, bis 100 km/h. Überraschenderweise aber strahlender Sonnenschein am Morgen, und in Hüttenhöhe nur ein leichter Wind. Wir fuhren hinter zum unteren flachen Teil des Gornergletschers. Auch hier wieder unangehm hart gefrorene und tiefe Spuren von den Leuten der vorigen warmen Tage. Nachdem wir den halben Gletscher hinunter gefahren und geschoben hatten, ging's links zuerst einen Sonnenhang und dann auf dem Schwärzegletscher auf den Kleinen Pollux (3300 m). Fantastische Sicht zum Monte-Rosa-Stock, aber auch zu den anderen großen Bergen Lyskamm, Caster, Pollux, Breithorn und im Hintergrund das Matterhorn.
Obwohl der Schnee fast nicht antaute, war die Abfahrt über das herrliche Skigelände ein Genuss, auch weil noch genug unverspurte Bereiche zu finden waren. Beim abschließenden Rückweg und Gegenanstieg zur Hütte hatten wir manchmal Probleme, in der harten spiegelglatten Aufstiegsspur nicht abzurutschen. Trotzdem - wieder ein erfüllter Skitourentag in großartiger Umgebung.
Mittwochmorgen hingen die Wolken tief, keine Sicht oberhalb der Hütte. So entschieden wir uns für die Abfahrt über den unteren Gornergletscher in voller Länge mit einigem Auf und Ab und Skating-Einlagen. Die Gornerschlucht war nicht mehr befahrbar, das wussten wir, zu viel Schnee war schon weggetaut. Aber die Umgehung der Schlucht im verschneiten Blockgelände, gut markiert und ganz einsam, hatte auch ihren Reiz.
Ein Stück konnten wir dann den Wander- und Fahrweg noch hinaus fahren, bevor ein letzter Anstieg zu den Pisten von Zermatt oberhalb von Furi führte. Pünktlich zum Mittagsläuten kamen wir im Zentrum von Zermatt an und verbrachten noch einige Zeit im Park hinter dem Murmeltierbrunnen neben der St.-Mauritius-Kirche.
Bis Visp konnten wir früher als geplant hinunter fahren. Dort bot sich ein Café am Bahnhof an, bis unser gebuchter Zug Richtung Zürich fuhr. Um halb zwölf Uhr nachts erreichten wir schließlich den Bahnhof Kaufbeuren - müde, aber sehr zufrieden mit den vergangen Tagen und großen Touren.
Text: Dr. Ralf Ebner
Fotos: Dr. Ralf Ebner, Manuela Janser, Wolfgang Zenkner
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