Wandern in bewusster Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln war ein Schwerpunkt der Mehrtages-Tour im August, die von Markus Stumpe konzipiert und geleitet wurde.
Die sechsköpfige Gruppe reiste zu diesem Zwecke zunächst morgens um 6 Uhr mit der Bahn von Kaufbeuren nach Füssen, um von dann mit dem Bus von der Lechbrücke weiter nach Tirol zu fahren. Der Einstieg war dann bereits kurz hinter der Landesgrenze an der Weisshaus-Landesstraße, von wo aus der Weg zunächst bei großer Hitze nach Unterpinswang führte. Es ging auf den Resten der früheren Via Claudia vorbei an der früher als Einkehr beliebten Gaststätte Schluxen. Die Gruppe wanderte beschaulich am Lechufer entlang, um dann allmählich etwas an Höhe zu gewinnen.
Thematisiert wurde unterwegs der frühere sicher unglaublich mühevolle Abbau von Eisenerzen in diesen Bergen sowie die letztlich grauenvollen Auseinandersetzungen zwischen den einfallenden Franzosen auf der einen Seite und den Österreichern (und Allgäuern) auf der anderen Seite um das Jahr 1800 am Lech, die heute vielfach in Vergessenheit geraten sind.
Die erste Übernachtung fand auf der von der Sektion Füssen betriebenen Fritz-Putz-Hütte in der Bleckenau statt, eine für über 300.000 Euro renovierte Selbstversorgerhütte, die aber dafür recht komfortabel ist und ein umfangreiches Getränkeangebot aufweist, so dass man nichts mit hinauf nehmen muss.
Am nächsten Morgen ging es dann rund 600 Höhenmeter hinauf aufs Kuhkarjoch, um dann gleich wieder hinab zu steigen in das von BMW betriebene Ammerwald Hotel, wo sich eine Bushaltestelle befindet. An Wochenenden und Feiertagen fährt von dort ein Bus zum Plansee. Dort sprangen alle sechs Gruppenmitglieder angesichts der Hitze gern in den See. Wenig später standen die nächsten öffentlichen Verkehrsmittel auf dem Programm: Das regelmäßig verkehrende Boot brachte die Gruppe in einer Stunde vom Strandbad Plansee am Hotel Forelle zum Hotel Fischer am westlichen Ende des sich an den Plansee anschließenden Heiterwanger Sees.
Danach ging es mit dem Bus zur Übernachtung zum in der Coronazeit renovierten Gasthof Bergblick (sehr sympathische junge Wirtsleute) in Berwang Brand, von dessen herrlicher Aussichtsterrasse aus man bereits im Abendlicht die mächtige Heiterwand sah, die das Ziel des nächsten Tages sein sollte.
Der Weg führte am nächsten Morgen auf die auf rund 1500 Meter gelegene Tarrenton-Alm und von dort auf die rustikale Heiterwand-Selbstversorgerhütte auf 2020 Meter (kein fließendes Wasser, das Wasser aus der Quelle vorm Haus muss abgekocht werden). Das Wetter wechselte von Hitze auf unbeständig und abends gab es ein Gewitter in unmittelbarer Nähe. Das Lager teilte sich die Gruppe mit zehn Leuten aus dem Ostalbkreis und dem Raum Augsburg.
Am nächsten Morgen ging es zurück zur Tarrenton-Alm – auf einen netten Ratsch bei einer Tasse Kaffee mit dem Alm-Besitzer und dem jungen Hirten, der einem Bilderbuch entsprungen hätte sein können. An Schafen, Ziegen und Murmeltieren vorbei führte der Weg hinauf zur Anhalter Hütte, der wegen des schmierigen Lehmbodens manchmal etwas mühevoll am Hang war.
Die Hütte selbst ist nach einer umfangreichen Renovierung 2021 wieder eröffnet worden und macht wirklich Spaß. Die Lager sind geräumig, topmodern und das Essen hatte an diesem Abend Restaurantniveau. Hüttenwirt Sebastian Wolf hatte tatsächlich just am Vorabend das Umweltsiegel des Deutschen Alpenvereins in Empfang genommen und ist selbst als Prozessoptimierer energietechnisch sehr versiert. Er verwies im Gespräch mit der Gruppe darauf, dass die CO2-Bilanz der Hütte besser sei als viele andere – obwohl sie mit dem Hubschrauber versorgt werden muss. Denn wenn man die nur wenige Minuten dauernden Flüge vom Energieverbrauch her mit langen Versorgungsanfahrten mit dem Auto gegenüberstelle, komme die Hütte besser weg.
Der kurze Auf- und Abstieg aufgrund der Wetterlage am fünften Tag von der Hütte zum Hahntennjoch war dann nur noch ein kurzer Abschluss dieser Genussrunde, die bewusst ohne Gipfel und Höhenmeterzählen auskam. Mit dem Bus ging es dann vom Joch zunächst nach Elmen im Lechtal, von dort gleich ohne großes Warten mit dem nächsten Bus nach Reutte und mit einem dritten Bus wenige Minuten später von dort nach Füssen, von wo der Zug heim nach Kaufbeuren führte. Insgesamt kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Nachbarn im Süden das Thema funktionierenden ÖPNV, der auch vernünftig zeitlich verzahnt ist, deutlich besser hinkriegen, als Deutschland. Empfohlen sei aber die App VVT, die für Österreich deutlich besser ist als der Navigator der Deutschen Bahn.
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